Mehr als Hersteller von Verpackungsmaschinen



Fotos: Harro Höfliger GmbH

12.11.2018

Harro Höfliger als klassischen Hersteller für Verpackungsmaschinen zu bezeichnen, wäre nicht zutreffend. So ist das Firmenmotto „All you need“ (Alles, was Sie brauchen) von den Kunden so zu verstehen, dass sie sich mit jedem Produktions- und Verpackungsproblem an das familiengeführte Unternehmen in Allmersbach im Tal wenden können.

„Je kniffliger das Problem, umso größer die Herausforderung“, sagt Geschäftsführer Markus Höfliger. Vermarktet wird auch Know-how. Die meisten Verbraucher dürften schon Dinge des täglichen Gebrauchs in der Hand gehalten haben, die mit einer Technik von Harro Höfliger hergestellt oder verpackt werden. Wer sich beispielsweise mal gefragt hat, wie ein Spülmaschinentab in die Folie kommt, die alle Komponenten vor Feuchtigkeit geschützt zusammenhält, sich während des Reinigungsvorgangs aber komplett im Wasser auflöst, findet eine Erklärung im aktuellen Kundenmagazin „Harro“. Dort heißt es, vordosierte Packungen aus wasserlöslicher Folie lägen im Trend. Ohne Auspacken könnten Verbraucher den Tab in die Spül–oder Waschmaschine legen, wo sich die Hüllen aus Polyvinylalkohol (kurz: PVOH) auflösten und das Pulver, Gel oder die Flüssigkeiten freisetzten.

Der Druck unter den Wettbewerbern ist groß

Käufer schätzen an solchen Produkten, dass sie bei der Verwendung des Reinigungsmittels nicht selbst maßhalten müssen und trotzdem eine Überdosierung vermeiden. Für die Hersteller solcher Tabs ist das aber eine Herausforderung. Denn alles einzeln zu verpacken kostet Zeit und damit Geld. Der Druck unter den Wettbewerbern ist groß, da bleiben in der Kalkulation keine Spielräume. „Namhafte Markenhersteller“ geben solche Herausforderungen dann direkt an Harro Höfliger weiter, sagt Markus Höfliger, der Sohn des Firmengründers. Im Unternehmen werde in Laborversuchen eine Lösung erprobt, die in Bruchteilen von Sekunden die Substanzen in die Hülle bringe und den Prozess wirtschaftlich mache. Am Ende lasse sich der auf den Labormaschinen entwickelte Ablauf in identischer Qualität auf die großen Produktionsanlagen des Hauses hochskalieren, erläutert Höfliger.

Einen hohen Bekanntheitsgrad hat das Unternehmen in der Pharmaindustrie. Als Beispiel nennt er die Herstellung von Inhalatoren für Asthmatiker, die Medikamente in sehr feiner Dosierung enthalten. Beim Einatmen werden sie vom Organismus aufgenommen. Auch hier bietet Harro Höfliger die Lösung für eine komplette Inhalatorfertigung von der Befüllung bis zur Verpackung. Das wird als Process Engineering bezeichnet. Ein weiterer technischer Schritt könnte sein, die Dosierung dem Atemvolumen des Patienten anzupassen. Dazu müssten entsprechende Sensoren in den Inhalator eingebaut werden. „Um so etwas zu entwickeln, ist umfangreiches Wissen notwendig“, sagt der Geschäftsführer. Aus diesem Grund beschäftigt Harro Höfliger für den Pharmabereich spezialisierte Fachkräfte. Diese entwickeln zum Beispiel Herstellprozesse für Pflaster, die ein Medikament enthalten, das über die Haut aufgenommen wird. Auch hier begleitet Höfliger seine Kunden von der Aufgabenstellung über den Bau einer Testanlage bis hin zur Serienfertigung. Stehen die dafür notwendigen Maschinen im Werk des Kunden, werden sie dort vom Kundendienst weiter betreut.

„In unseren Nischen sind wir absoluter Marktführer“, sagt Höfliger. Damit das so bleibt, gelte es, sich abzeichnende Trends frühzeitig zu erkennen und am Markt der Erste zu sein, der diese aufnimmt. Um weitere Anforderungen abzudecken und in dieser Unternehmensgröße weltweit präsent zu sein, ist Harro Höfliger Mitglied der Excellence United, einer strategischen Allianz fünf führender Maschinenbauer und Anlagenhersteller in Deutschland. Im Netzwerk arbeiten sich die Firmen gegenseitig zu. So bündeln die Partner für das Trendthema Wirkstoffpellets ihre Kompetenzen: Excellence-United-Mitglied Glatt aus Südbaden bietet die Technologie zu Herstellung, Harro Höfliger die Dosiersysteme.

Der Facharbeitermangel ist kein neues Phänomen

Ansonsten ist das Unternehmen mit seinem Standort Allmersbach im Tal und mit dem Land eng verbunden. Auf den Produkten steht nicht „Made in Germany“, sondern „Made in Baden-Württemberg“. Den Facharbeitermangel sieht Höfliger nicht als neues Phänomen, den habe es schon immer gegeben. Mit „attraktiven Angeboten“ werden Mitarbeiter im Unternehmen gehalten. Wer möchte, kann mit einem vom Arbeitgeber mitfinanzierten E-Bike zur Arbeit fahren.
Höfliger ist sehr zufrieden mit der Auftragslage. „Bei uns stehen die Marktsignale auf Grün.“ Bis Jahresende wächst die Mitarbeiterzahl auf 1200. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das 1975 in Stuttgart-Untertürkheim gegründete Unternehmen einen Umsatz von 215 Millionen Euro; die Exportquote lag bei rund 80 Prozent. Wichtigster Absatzmarkt ist Europa (rund 34 Prozent); es folgen Nordamerika (19) und Asien (14 Prozent).

 

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